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Wertverluste durch Ausfall von Kapitalanlagen steuerlich geltend machen

2. Februar 2021

Nach wie vor stellt sich die Frage der Geltendmachung von Wertverlusten durch Ausfall von Kapitalanlagen. Im Grundsatz gilt, dass bei nach 31.12.2008 erworbenen Kapitalanlagen nicht nur umfassend Wertsteigerungen der Vermögenssubstanz steuerlich erfasst werden, sondern auch entsprechende Wertverluste. Dies wird durch die Rechtsprechung auch laufend bestätigt. Allerdings wehrt sich die FinVerw nach wie vor in vielen Fällen, solche Verluste steuerlich anzuerkennen.

Aus der Rechtsprechung ist auf folgende Entscheidungen hinzuweisen:

–  Das Finanzgericht Bremen hat mit Urteil vom 31.8.2020 (Aktenzeichen 1 K 6/20) bestätigt, dass auch der Ausfall von Genussrechten, die nach dem 31.12.2008 angeschafft wurden und keine Beteiligung am Liquidationserlös einräumen (fremdkapitalähnliche Genussrechte) steuerlich geltend gemacht werden können. Von einem Forderungsausfall ist allerdings erst dann auszugehen, wenn endgültig feststeht, dass keine weiteren Rückzahlungen mehr erfolgen werden. Im Streitfall wurde der endgültige Forderungsausfall in dem Jahr angenommen, in dem – nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens über das Vermögen der Schuldnerin des streitigen Genussrechtskapitals – der Insolvenzplan durch das Insolvenzgericht bestätigt und das Insolvenzverfahren wieder aufgehoben worden ist.

–  Verluste aus sog. Knock-out-Zertifikaten führen im Zeitpunkt ihres Eintritts des Knock-out-Ereignisses zu negativen Einkünften aus Kapitalvermögen, wie mittlerweile auch die FinVerw anerkennt.

Vor dem Hintergrund der neueren Rechtsprechung zur steuerlichen Berücksichtigung des Verfalls von Optionen, dem Ausfall von Kapitalforderungen und dem Wertloswerden von Kapitalanlagen hat der Gesetzgeber Beschränkungen der Verlustverrechnung eingeführt:

–  Für Verluste aus Termingeschäften gibt es nunmehr einen eigenen Verrechnungskreis (Schedule), so dass diese nur mit Gewinnen aus Termingeschäften in späteren Jahren verrechnet werden können. Zudem ist die Verrechnung der Höhe nach auf 10  000 € pro Jahr begrenzt; im Übrigen können die Verluste nur in späteren Jahren mit Gewinnen aus Termingeschäften verrechnet werden. Diese Änderung gilt allerdings erst für Verluste, die nach dem 31.12.2020 entstehen, so dass geprüft werden kann, ob eingetretene Verluste noch bis zum 31.12.2020 realisiert werden sollten.

–  Verluste aus dem Ausfall von Kapitalforderungen und aus dem Wertloswerden von Kapitalanlagen können zwar mit sämtlichen positiven Einkünften aus Kapitalvermögen verrechnet werden. Allerdings besteht auch insoweit eine Beschränkung auf 10  000 € pro Jahr, wobei wiederum ein zeitlich unbegrenzter Verlustvortrag, aber kein Verlustrücktrag möglich ist. Diese Verrechnungsbeschränkung gilt hingegen bereits für Verluste, die nach dem 31.12.2019 entstanden sind.

Hinweis:

Die Verrechnung von Verlusten bei Kapitalanlagen ist im Grundsatz weitgehend möglich, wird aber im Ergebnis durch Verrechnungsbeschränkungen vielfach wieder eingeschränkt. Insofern sollte für den konkreten Fall sorgfältig geprüft werden, ob bis zum Jahresende noch Handlungsbedarf besteht.
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